01 In diesem Kapitel schauen wir uns eine weitere größere Gruppe von Finanzprodukten an, nämlich die Zertifikate. 02 Was sind Zertifikate? Zertifikate sind derivative Wertpapiere, mit denen Investoren von der Entwicklung eines bestimmten Basiswertes profitieren können. Der Begriff Derivat (vom lateinischen derivare: ableiten) bezieht sich generell auf ein Finanzinstrument, dessen Kurs von einem ihm zugrunde liegenden Marktgegenstand als Basiswert abgeleitet wird. Dieser Basiswert, auch Underlying genannt, kann eine Aktie sein, aber auch ein kompletter Index, Rohstoff oder ein anderes Finanzprodukt. Dabei gehören Zertifikate zur Anlageklasse der Schuldverschreibungen: Meldet der Emittent also Insolvenz an, können Anleger schlimmstenfalls komplett leer ausgehen. Denn im Gegensatz zu Investmentfonds sind Zertifikate kein Sondervermögen und unterliegen damit der Insolvenzmasse. 03 Zertifikate haben jedoch anders als klassische Schuldverschreibungen keinen festen Zinssatz, sondern ermöglichen stattdessen die Teilnahme an einem Börsengeschäft. Mit Zertifikaten kann sowohl auf steigende als auch fallende und sogar seitwärts tendierende Kursverläufe gewettet werden. Der Handel kann dabei über die Börse oder auch direkt über den Emittenten erfolgen. Verkauft der Anleger das Zertifikat nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt, so erhält er am Fälligkeitstag den Wert der Schuldverschreibung ausbezahlt. 04 Bereits neunzehnhundertneunzig kam das erste Indexzertifikat auf den Markt: Emittent war die Dresdner Bank. Anleger konnten mit dem Wertpapier auf den Dacks wetten. Heute kursieren viele unterschiedliche Finanzprodukte auf dem Markt, so zum Beispiel Schuldverschreibungen mit Kapitalschutz für Sicherheit suchende Anleger oder auch Zertifikate mit Hebel für risikofreudige Investoren. Somit kann ein Zertifikat jeweils vollkommen unterschiedliche Chancen und Risiken aufweisen. 05 In dieser Abbildung finden Sie eine Übersicht über Zertifikate-Produkte. Das Risiko bei Garantie-Zertifikaten ist üblicherweise am geringsten, dafür aber auch die mögliche Rendite. Express-Zertifikate gelten als defensiv, mit etwas mehr Risiko und etwas mehr Renditechancen. Darüber liegen die Discount- und Bonus-Zertifikate. Eine weitere Klasse mit höherem Risiko und höheren Ertragschancen bilden die Index-, Outperformance- und Sprint-Zertifikate. Als hoch spekulativ gelten KO-Zertifikate, Mini-Futures und andere Zertifikate. Dazu sind beispielsweise auch Faktorzertifikate zu nennen. 06 Was ist ein Garantie-Zertifikat? Der Emittent sichert bei einem Garantie-Zertifikat zu, dass der Anleger mindestens das eingesetzte Kapital am Laufzeitende zurückerhält. Im Gegensatz zur Bezeichnung handelt es sich nicht um eine echte Garantie, die ein Dritter und nicht der Emittent selbst übernehmen müsste, sondern um eine bloße Zusicherung. Diese Kapital-Zusicherung bezieht sich stets auf den Nennbetrag des Zertifikats, also einhundert Prozent beziehungsweise einhundert Euro. Erfolgt ein Bezug oberhalb dieses Preises, beispielsweise weil ein Ausgabeaufschlag oder ein Handels-Spread erhoben wird, trägt der Anleger für diese Preisdifferenz ein Verlustrisiko. Der Kurs des Zertifikates kann während der Laufzeit unter den Ausgabekurs fallen, denn die zugesicherte Rückzahlung greift nur bei Fälligkeit des Zertifikats. 07 Neben der Rückzahlung des eingesetzten Kapitals bietet ein Garantie-Zertifikat auch eine geringe Verzinsung über einen Kupon. Zudem erlauben sie dem Anleger, an Kursgewinnen zu partizipieren. Allerdings erkaufen sich Anleger die gewonnene Sicherheit mit geringeren Gewinnen. Deshalb ist die Partizipationsrate an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts geringer als zum Beispiel bei Index- oder Aktienzertifikaten, die die Entwicklung eins-zu-eins nachbilden. Je höher die garantierte Verzinsung, desto geringer ist die Partizipationsrate. 08 Was ist ein Express-Zertifikat? Man kann mit einem Expresszertifikat sowohl auf steigende als auch auf stagnierende und auf fallende Kurse setzen. Dem Expresszertifikat liegt ein Basiswert zugrunde, das man auch Underlying nennt. Das kann eine Aktie, ein Aktienkorb oder ein Index sein. Bei einem Express-Zertifikat ist folgendes wichtig: Die Tilgungsschwelle des Basiswertes, die Absicherungsschwelle und das Fälligkeitsdatum. Die Tilgungsschwelle ist die Grundlage für die zukünftige Wertentwicklung des Zertifikates. Sowohl Tilgungs- als auch Absicherungsschwelle sollten so gewählt sein, dass eine Unterschreitung durch den Basiswert möglichst unwahrscheinlich ist. 09 Ein Express-Zertifikat wird mit einer maximalen Laufzeit, meist mehrere Jahren, begeben. Wenn der Basiswert die Tilgungsschwelle an einem bestimmten Stichtag erreicht oder überschreitet, wird das Zertifikat zusammen mit einer Bonuszahlung, zum Beispiel ein Prozent des Ausgabepreises des Zertifikats vorzeitig zurückgezahlt. Liegt der Basiswert darunter, läuft das Zertifikat weiter bis zum nächsten Stichtag. Erst wenn der Basiswert zu einem späteren Stichtag auf oder oberhalb der vorher definierten Tilgungsschwelle liegt, kommen alle bis dahin aufgeschobenen Bonuszahlungen dann zur Rückzahlung. Die Bonuszahlungen fallen immer höher aus, zum Beispiel nach einem Jahr ein Prozent des Ausgabepreises des Zertifikates, nach zwei Jahren zwei Prozent und nach drei Jahren vier Prozent. 10 Falls das Express-Zertifikat am finalen Bewertungstag auf oder über dem Ausgangswert des Basiswertes notiert, wird der Maximalbetrag erzielt. Liegt es unter dem Ausgangswert des Basiswertes, aber über einer vorher definierten Absicherungsschwelle wird es zum Nennwert zurückgezahlt. Wurde die Absicherungsschwelle unterschritten, wird das Zertifikat gemäß dem tatsächlich prozentualen Kursverlust getilgt, zum Beispiel fünfundzwanzig Prozent Kursverlust des Basiswertes ziehen fünfundzwanzig Prozent vom Nennwert des Zertifikates nach sich. Auch ist eine physische Andienung durch Aktien oder ETF-Anteile möglich. 11 Nehmen wir an, dass wir bei einer Aktie einen stabilen Seitwärtstrend erkennen wie in der Abbildung zu sehen ist. Nun könnte man immer kurz vor Erreichen der Unterstützung kaufen und kurz vor Erreichen des Widerstands verkaufen. Dies verursacht natürlich hohe Transaktionskosten. 12 Express-Zertifikate bieten die Möglichkeit, auch in Seitwärtsphasen Rendite zu erwirtschaften... Ein Beispiel: Die Aktie notiert am ersten-ersten-zweitausendneun bei einhundert Euro. Es wird ein Express-Zertifikat angeboten, welches eine Einlösungsschwelle von ebenfalls einhundert Euro besitzt. Die Einlösungstage sind der erste-erste-zweitausendzehn, erste-erste-zweitausendelf und der erste-erste-zweitausendzwölf. Die jeweiligen fixierten Einlösungsbeträge sind einhundertsieben, einhundertvierzehn und einhunderteinundzwanzig Euro. Die Schutzbarriere wird auf achtzig Euro festgelegt. 13 Wenn die Aktie am ersten-ersten-zweitausendzehn bei oder über einhundert Euro notiert, bekommt der Anleger einhundertsieben Euro ausbezahlt und das Express-Zertifikat erreicht sein Laufzeitende. Notiert das Wertpapier tiefer, wird bis zum ersten-ersten-zweitausendelf gewartet. Ist das zugrunde liegende Wertpapier dann mindestens einhundert Euro wert, werden einhundertvierzehn Euro ausgezahlt und das Zertifikat erreicht seinen Endpunkt. Wenn der Kurs aber geringer ist, wird wiederum bis ersten-ersten-zweitausendzwölf gewartet und dann erneut geprüft. Notiert die Aktie dann bei mindestens einhundert Euro, werden dem Anleger einhunderteinundzwanzig Euro ausgezahlt. 14 Wenn auch dann die Einlösungsschwelle nicht erreicht wurde, greift die Schutzbarriere vom Express-Zertifikat. Wenn die Aktie also zwischen achtzig Euro und einhundert Euro notiert, bekommt der Anleger einhundert Euro ausbezahlt. Wenn der Wert der Aktie allerdings geringer als achtzig Euro ist, verfällt auch die Schutzbarriere und der Investor erleidet den gleichen Verlust, wie er beim Direktinvestment in die zugrunde liegende Aktie erlitten hätte. Bei manchen Express-Zertifikaten droht dann sogar der Totalverlust! Ein Express-Zertifikat eignet sich für Investoren, die eine fixierte Rendite in einem bestimmten Zeitraum erzielen möchten und dabei auf einen gewissen Risikopuffer nicht verzichten möchten. 15 Was ist ein Discount-Zertifikat? Mit einem Discount-Zertifikat wird der Basiswert unter dem aktuellen Marktwert gekauft. Man erhält also einen Rabatt, einen Discount. Der Käufer verzichtet dabei jedoch auf Kurssteigerungen über eine festgelegte Höhe hinaus, was man als Cap bezeichnet. Liegt der Basiswert beim Verkauf unter dem Cap, dann erhält der Käufer den Kurswert. Liegt der Basiswert auf dem oder über dem Cap, dann erhält der Käufer den Cap. 16 Die Eigenschaften des Bonus-Zertifikat, die die Wertentwicklung bestimmen sind der Ausgangswert des Basiswertes, die Schwelle, das Bonusniveau, das Fälligkeitsdatum und das Bezugsverhältnis. 17 Der Inhaber des Bonus-Zertifikats erhält je nach Kursentwicklung folgende Auszahlung bei Fälligkeit. Für den Fall, dass der Kurs des Basiswertes die Schwelle während der Laufzeit niemals erreicht oder unterschritten hat. Und der Kurs des Basiswertes über dem Bonusniveau liegt, erhält der Inhaber den Kurswert des Basiswertes. Dies ist Fall eins. Wenn der Kurs des Basiswertes unter dem Bonusniveau liegt, erhält der Inhaber den Bonuswert. Dies ist Fall zwei. Für den Fall, dass der Kurs des Basiswertes die Schwelle während der Laufzeit jemals erreicht oder unterschritten hat, erhält der Inhaber den Kurswert des Basiswertes. Dies ist Fall drei. 18 Verglichen mit einer Direktanlage im Basiswert gilt bei einer Anlage in einem Bonus-Zertifikat im Fall eins: Der Gewinn ist um die Kosten des Bonus-Zertifikates und der Ausschüttungen und Dividenden des Bonus-Zertifikates geringer als die Direktanlage. Der Anleger macht einen geringeren Gewinn. Im Fall zwei gilt: Der Gewinn ist um die Differenz zwischen Bonusniveau um Kurswert des Basiswertes höher, beziehungsweise ein moderater Verlust wird hier zum Gewinn. Im Fall drei gilt: Der Verlust ist um die Kosten des Bonus-Zertifikates und der Ausschüttungen und Dividenden des Bonus-Zertifikates höher als die Direktanlage. 19 Entsprechend gehen Anleger von Bonus-Zertifikaten von einer Seitwärtsbewegung beziehungsweise von einem leichten Steigen des Basiswertes aus. Auch ein moderates Fallen des Basiswertes ist möglich, um noch Gewinn zu machen. Im ungünstigsten Fall wird das Zertifikat zu Laufzeitende zum aktuellen Kurs des jeweiligen Basiswertes getilgt oder der Basiswert wird angedient durch physische Ausübung. 20 Kommen wir nun nochmal genauer zu den Kennzahlen eines Bonuszertifikats. Der Ausgangswert ist die Berechnungsgrundlage für die zukünftige Wertentwicklung des Zertifikates. Die Schwelle ist ein Treiber des Risikos des Zertifikates. Je größer der Abstand zum Kurswert des Underlyings, umso geringer ist das Risiko, dass eine Unterschreitung durch den Basiswert erfolgt. Ein zweiter Risikotreiber ist die Volatilität des Basiswertes. Je geringer diese Volatilität, umso geringer ist das Risiko, das eine Unterschreitung durch den Basiswert erfolgt. Der dritte Risikotreiber ist die Laufzeit. Je länger die Laufzeit, umso größer ist das Risiko, dass der Kurs irgendwann die Schwelle erreicht oder unterschreitet. 21 Umgekehrt führen niedrige Risiken der genannten Punkte zu einem geringen Bonusniveau. Ebenfalls bestimmt die Höhe der Ausschüttungen beziehungsweise Dividenden das Bonusniveau: Hohe Ausschüttungen beziehungsweise Dividenden, auf die der Käufer des Zertifikates ja verzichtet, führen zu einem höheren Bonusniveau. Der Bonus wird bei Laufzeitende ausgezahlt, wenn während der gesamten Laufzeit die Schwelle nicht berührt oder unterschritten wurde. Entwickelt sich der Basiswert über das Bonusniveau hinaus, so nimmt das Zertifikat an der Wertentwicklung teil, allerdings entfallen Ausschüttungen beziehungsweise Dividenden. Das Fälligkeitsdatum sollte zum Anlagehorizont des Anlegers passen. Das Bezugsverhältnis ist meist eins-zu-eins, kann jedoch zum Beispiel bei teuren Aktien auch nur einen Bruchteil des Basiswertes betragen. 22 Was ist nun ein Index-Zertifikat? Index-Zertifikate bieten eine komfortable Möglichkeit, um mit einer einzigen Depotposition einen ganzen Markt abzubilden. Denn Index-Zertifikate beziehen sich auf ganze Börsenindizes wie den Dacks oder Dow Jones, sodass ihre Wertentwicklung von allen in dem jeweiligen Index enthaltenen Aktien abhängt. Im Fall des Dacks wird das Anlagerisiko somit auf vierzig Werte verteilt. Dabei spiegelt der Kurs des Zertifikats immer den gerade gültigen Gegenwert des Indexstands wider, sodass sich die Wertentwicklung eines Index-Zertifikats sehr leicht nachvollziehen lässt. Dabei entsprechen etwa beim Dacks jeweils einhundert Indexpunkte einem Euro. Anders ausgedrückt: Jeder Dacks-Punkt ist einen Cent wert. 23 Bei ausländischen Indizes gilt dies allerdings nur dann, wenn es sich um sogenannte Quanto-Zertifikate handelt, bei denen Währungseinflüsse gegen eine geringe Gebühr neutralisiert werden. Bei Index-Zertifikaten ohne diese Währungssicherung wirken sich neben den Bewegungen des Index auch Schwankungen der jeweilige Landeswährung auf den in Euro ermittelten Preis des Zertifikats aus. Zu beachten ist außerdem, dass der Anleger bei Zertifikaten auf sogenannte Kurs-Indizes auf Zusatzerträge aus den Dividendenzahlungen der in dem Index enthaltenen Unternehmen, verzichtet. Daraus kann sich bei langfristigen Anlagen ein erheblicher Performance-Nachteil ergeben! Das gilt allerdings nicht für Zertifikate auf Performance-Indizes, da bei diesen anfallende Dividenden am Tag der Ausschüttung direkt in den Index hinein-gerechnet werden. 24 Von wikifolios lassen sich Index-Zertifikate abbilden. Sie als Privatperson dürfen nur Musterdepots anlegen; Sie sind ja kein ausgebildeter Fonds-Manager. Lang und Schwarz bildet Ihr Musterdepot dann auf ihren Wunsch in einem real handelbaren Indexzertifikat ab. Ihr Musterdepot ist also der Index für das Zertifikat. Sie übernehmen jedoch keinerlei Haftung, da Sie als Trader nur ein Musterdepot führen. Das Risiko der Verwaltung trägt also der Anleger! Die Idee, dass man Geld indirekt über Privatpersonen anlegen kann, folgt dem Trend des Social Tradings. 25 Neben ETFs können also auch auch Index-Zertifikate kaufen, um einen Aktienindex nachzubilden und so vom steigenden Dacks oder anderen Indizes zu profitieren. Wo liegen also die Unterschiede zwischen den beiden Anlageinstrumenten? Der wichtigste Unterschied zwischen ETFs und Index-Zertifikaten ist das Emittentenrisiko. Während bei ETFs das investierte Geld dem Sondervermögen zugeordnet wird, trägt der Anleger beim Kauf von Index-Zertifikaten ein Emittentenrisiko. Geht der Emittent des Index-Zertifikats Pleite, so droht ein Totalverlust. Darum sollten Sie bei Investments in Index-Zertifikaten auf die Bonität des Emittenten des Zertifikats achten, um keine bösen Überraschungen wie bei der Lehman-Pleite zu erleben. 26 Einen Unterschied zwischen ETFs und Index-Zertifikaten gibt es auch bei den Kosten, wenngleich die Unterschiede eher gering sind. Index-Zertifikate sind meist billiger als ETFs. Indexzertifikate auf den Dacks vierzig werden oft spreadlos gehandelt. Es gibt dann also zwischen Geld- und Briefkurs keinen Unterschied. In der Regel fallen bei Index-Zertifikaten auch keine Verwaltungsgebühren an. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote (Ter) am deutschen Markt liegt bei ETFs bei etwa null-komma-vier Prozent pro Jahr. Die Spreads bei ETFs bewegen sich in der Regel zwischen null-komma-null-zwei und null-komma-drei Prozent, wobei zusätzlich Verwaltungskosten mit null-komma-ein bis null-komma-drei Prozent zu Buche schlagen. 27 Ein weiterer Unterschied ist die Handhabung der Dividendenausschüttungen. Hier sind ETFs oft im Vorteil, da die erhaltenen Dividenden meist voll ausgeschüttet oder im ETF selbst thesauriert wieder angelegt werden. Bei Index-Zertifikaten werden die Dividenden nicht immer an den Anleger weitergereicht; insbesondere dann nicht, wenn es sich um einen Kursindex handelt. Bei der Handelbarkeit liegen die Vorteile eher auf der Seite von ETFs, denn während bei Index-Zertifikaten nur der Emittent als Handelspartner auftritt, gibt es bei ETFs meist mehrere Market Maker, die eine relativ hohe Liquidität gewährleisten und für niedrige Spreads sorgen. Ein Zertifikat lässt sich für den Emittenten sehr viel einfacher, schneller und kostengünstiger auflegen als ein ETF. 28 Was sind KO-Zertifikate? KO-Zertifikate sind eine bestimmte Form von dynamischen Hebelpapieren und seit einigen Jahren bei risikoaffinen Anlegern in Mode gekommen, da mithilfe von KOs eine Spekulation auf verschiedene Basiswerte wie Aktien, Indizes, Währungen und, Rohstoffe mit hohen Hebeln möglich ist. Dies wird durch eine KO-Schwelle erkauft, bei der die Zertifikate (nahezu) wertlos verfallen. KO-Zertifikate können einem Anleger aufgrund der Hebelwirkung somit enorme Gewinnchancen aber eben auch hohe Risiken bis hin zum Totalverlust bescheren. 29 Liegt der Preis des Basiswerts nahe an der KO-Schwelle, so ist der Hebel extrem hoch. Je weiter der Preis des Basiswerts von der KO-Schwelle entfernt ist, desto geringer wird der Hebel. KO-Zertifikate werden von Banken herausgegeben. Die rechtliche Hülle eines KO-Zertifikates ist die Inhaberschuldverschreibung. Je nach Emittent lassen sich diverse Bezeichnungen für KO-Zertifikate finden, so zum Beispiel Sprinter, Turbos oder Waves. 30 Die Ausgestaltung eines KO-Zertifikats kann vielfältig sein. Typischerweise basieren KO-Zertifikate auf einen Basiswert wie einem Aktienindex. Außerdem sind sie mit einem sogenannten Strike, dem Basispreis, ausgestattet, der unter anderem für die Berechnung des Zertifikatpreises und des Hebels wichtig ist. Manche KOs besitzen eine bestimmte Laufzeit und sind vielleicht nur während des regulären Börsenhandels ausnockbar, andere hingegen werden ohne Laufzeitbegrenzung (open end) emittiert und sind womöglich auch außerbörslich ausnockbar. Viele Variationen sind möglich, je nach individuellem Geschmack des Anlegers. 31 Bilden wir abschließend einmal ein Beispiel für ein KO-Zertifikat. Angenommen, der Dacks steht aktuell bei elftausendfünfhundert Punkten und ein Anleger erwartet in den kommenden Wochen einen steigenden Dacks mit Kursziel zwölftausend Punkte. Als massive Unterstützungszone und Stopp macht der Anleger den Bereich um elftausendvierhundert Punkte aus. Er entschließt sich zum Kauf eines KO-Calls mit Strike und identischer Knock-out Schwelle bei elftausenddreihundertfünfzig Punkten. Das in der Praxis gegebenenfalls anzutreffende Aufgeld findet im Berechnungsbeispiel keine Beachtung. 32 Dies wären dann die beispielhaften Daten des konkreten KO-Zertifikats. Die Währung ist in Euro und die Laufzeit ist open-end beziehungsweise immer bis zum KO. Wichtig ist noch das Bezugsverhältnis von null-komma-null-eins. Das heißt: Sie benötigen einhundert Zertifikate, um einmal den Dacks abzubilden. Der Preis des KO-Calls zum Kaufzeitpunkt berechnet sich wie folgt: Kurs des Basiswertes minus Strike und das Ergebnis multipliziert mit dem Bezugsverhältnis. In diesem konkreten Fall sind dies elftausendfünfhundert minus elftausenddreihundertfünfzig und das Ergebnis mal null-komma-null-eins. Dies wären dann ein Euro und fünfzig Cent. Bei diesen Zertifikaten ist manchmal der Spread sehr hoch im Bereich von einigen Prozent: Vergleichen Sie dies bitte genau vor einem Kauf! 33 Der aktuelle Hebel berechnet sich über den Kurs des Basiswerts multipliziert mit dem Bezugsverhältnis und geteilt durch den Preis. Somit würde der KO-Call das knapp sechsundsiebzig-fache des Dacks machen; in positiver wie negativer Richtung. Konkret heißt das beispielsweise: Steigt bzw. fällt der Dacks um ein Prozent so steigt bzw. fällt der KO-Call in derselben Zeit um sechsundsiebzig Prozent. Steigt bzw. fällt der Dacks beispielshalber um zwei Prozent, so steigt bzw. fällt der KO-Call um einhundertzweiundfünfzig Prozent. Bei einem Fallen des Dacks um zwei Prozent würde jedoch die KO-Schwelle erreicht und das Zertifikat auf null Euro fallen, also droht dabei ein Totalverlust! Achten Sie also stets auf einen Sicherheitsabstand zur KO-Schwelle! Solche Zertifikate werden typischerweise nur über Stunden oder Tage gehalten! 34 Was sind Faktor-Zertifikate? Faktor-Zertifikate sind eine Variante von Hebelpapieren mit denen ebenso an der Preisentwicklung verschiedener Basiswerte wie Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffe oder Zinsen partizipiert werden kann. Im Gegensatz zu KO-Zertifikaten besitzen Faktor-Zertifikate einen jederzeit konstanten Hebel sowie keine KO-Schwelle, die beim Unterschreiten im schlimmsten Fall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen würde. 35 Mithilfe von Faktor-Zertifikaten, die von Banken emittiert werden und rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen darstellen, können Sie sowohl auf steigende, als auch auf fallende Preisbewegungen von bestimmten Basiswerten setzen. Hierfür bieten die Emittenten sogenannte Long- sowie Short-Faktor-Zertifikate an, hier am Beispiel der Commerzbank: So können Sie beispielsweise mit einem festen Faktor fünf long auf den Aktienkurs der Commerzbank setzen. Dies geht mit dem Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer (WKN) CZ6SNJ. Oder beispielsweise auf fallende Kurse (short) der BASF mit dem Faktor Minus Zwei über das Zertifikat mit WKN CZ24KK. 36 Schauen wir uns einmal an, wie der konstante Hebel in beide Richtungen funktioniert und was dies für Auswirkungen hat. Steigt der Basiswert von Tag null auf Tag eins von einhundert auf einhundertzwei Euro, so ist dies eine Erhöhung um zwei Prozent. Ein Faktorzertifikat mit Faktor fünf Long würde dadurch von einhundert auf einhundertzehn Euro steigen. Also eine Erhöhung von zwei mal fünf gleich zehn Prozent. 37 Fällt der Basiswert hingegen um zwei Prozent, so hat der konstante Hebel die Eigenschaft, dass das Faktor-Zertifikat ebenfalls auf um zwei mal fünf gleich zehn Prozent fällt. Der Basiswert liegt dann bei achtundneunzig Euro und das Faktor-Zertifikat bei neunzig Euro. 38 Nehmen wir folgendes an: Pro Tag steigt der Basiswert um ein Prozent. Demnach steigt der Kurs des Faktor-Zertifikats vierfach Long von Tag zu Tag um vier Prozent. Gleichzeitig sinkt der Kurs des Faktor-Zertifikats vierfach Short von Tag zu Tag um vier Prozent. Die Beispiele berücksichtigen ausschließlich die Hebelkomponente der Faktor-Zertifikate. Finanzierungskosten bleiben unberücksichtigt. Das Beispiel verdeutlicht die Stärke von Faktor-Zertifikaten bei kontinuierlichen Aufwärtstrends: Sowohl bei richtiger als auch bei falscher Trendeinschätzung zeigt das Faktor-Zertifikat einen Vorteil gegenüber der reinen Vervierfachung der Kursentwicklung des Basiswerts. Ein höherer Faktor würde den positiven Basiseffekt in diesem Szenario noch verstärken. 39 Hier ist dieser Vorteil einmal graphisch dargestellt. Durch die Prozentrechnung und den Hebel bildet sich eine Art von Zinseszinseffekt. Der konstante Hebel sorgt dafür, dass man bei einem starken korrekt vorhergesagtem Trend (hier: long) mehr Gewinn erwirtschaftet als mit dem reinen Basiswert. Bei einer falschen Einschätzung (hier: short) ist der Verlust hingegen nicht so groß wie beim Besitz des reinen Basiswertes. Faktor-Zertifikate haben also ihre Stärke in klaren Trendphasen: Aufwärts wie Abwärts! 40 Wo liegt nun die Schwäche von Faktor-Zertifikaten? Nehmen wir folgendes an: Der Basiswert schwankt stark hin und her in einem festen Seitwärtstrend. Der Basiswert notiert nach fünf Tagen fast unverändert in der Nähe des Ausgangsniveaus. Mit allen Faktor-Zertifikaten ist der Verlust jedoch höher. Unter einer volatilen Seitwärtsbewegung des Basiswerts leiden also Faktor-Zertifikate der Long- und Short-Variante gleichermaßen! #geld #geldanlage #finanzen #finanzprodukt #zertifikat #investieren #GarantieZertifikat #ExpressZertifikat #DiscountZertifikat #BonusZertifikat #IndexZertifikat #wikifolio #ETF #KO #FaktorZertifikat #Hebel